Lake 27.12.

Lake - 
Die Deutschen
Doobie-Beach-Dans

27.12.2010   
Einlass 20.00 Uhr, 
Beginn 21.00 Uhr

VVK 14.- Euro plus Gebühr
Abendkasse 17.- Euro

Vorverkaufsstellen:
 
Tourist-Info 04331/21120
Bullentempel 04331/25730
Getränkeservice Lange  04331/21560
Musikmarkt
Rendsburg
Altstadtpassage
04331/2477
Café ANNO

Besetzung  

Alex Conti

lead guitar
backing vocals

Chris Thornton jr.

lead vocals
guitar

Mickie Stickdorn

drums
backing vocals

Jens Skwirblies

keyboards
backing vocals

Holger Trull

bass
backing vocals

Lake - Die Deutschen Doobie-Beach-Dans

„Kommerzielle Songs, anspruchsvoll präsentiert“ – das hatte der bereits renommierte Blues-Rock-Gitarrist Alex Conti im Sinn, als er im Oktober 1975 in die Hamburger Band Lake einstieg – im biblischen Sinne „am zweiten Tag“. Eine Stil-Melange aus den Beach Boys, Doobie Brothers und Steely Dan beeindruckte Szene und Medien – hinter einem Sound definierenden Lead-Sänger, James Hopkins-Harrison, konnte dieses Quintett ausgefeilte vierstimmige Harmonies ebenso bieten wie jazzrockige Grooves und Soli von Weltklasse.

 

1973 trat die deutsch-britische Rockgruppe noch als bläsergestützte Big Band à la Chicago an – geprägt von Mitgliedern der Hamburger Top-40-Truppe The Tornados: mit Leadsänger Ian Cussick, Bassist Martin Tiefensee und Drummer Dieter Ahrendt. Dazu kamen aus Gary Glitter´s Boston Showband der Organist Geoffrey Peacey und Trompeter Bernard Whelan. Für den künftigen West Coast Sound der Band war die Besetzung untypisch – stilbildend wurde bald die von hart bis herzlich phrasierende Stimme des hanseatischen Schotten James Hopkins-Harrison. Als Alex Conti von Deutschlands Rockband Nr. 1, Atlantis, zu Lake kam, hatte die Band endlich ihren Sound gefunden. Lake fuhr die Knochentour durch die Clubs der Republik – und bald funktionierten die Arrangements der von Produzent Detlef Petersen mit Sänger Hopkins Harrison verfassten Songs bombensicher.

  Das so kommerzielle wie ausgefuchst gesungene und gespielte Debüt LAKE wurde „out in the country“ in England von keinem Geringeren als Abbey-Road-Toningenieur Jerry Boys gefahren: der Soundtüftler hatte die Beatles, Pink Floyd und Yehudi Menuhin (!) vor der Glasscheibe gehabt – noch Fragen? Jerry Boys und die Lake-Boys legten einen auch 2006 noch imponierenden Referenz-Sound hin: LAKE schlug 1976 ebenso ein wie die Power-Gospel-Single „Jesus Came Down“ – Pole-Position für eine Band, die ihren Medien-Hype musikalisch überholte: bewiesen auf landesweiter Tour mit den Sutherland Brothers und Wishbone Ash. Den Satzgesang der romantischen „Sailing“-Brüder toppten Lake ebenso mühelos wie den Twin-Lead-Sound der Wünschelruten-Ash. Deutscher Schallplattenpreis im April 1977, Auftritte mit Genesis, gigantische Open Airs in Nürnberg und Karlsruhe mit den Vorbildern Santana und Chicago. Unter den Road-Anekdoten der Lake-Landser erzeugt diese die eisigste Gänsehaut: Während einer US-Tour 1977 wurde deutlich, dass die Band neben Arrangement-Geschick auch ein Händchen für die Fliegerwahl hatte: Die Lake-Musiker entkamen der Lynyrd-Skynyrd-Flugkatastrophe, weil sie vor einem gemeinsamen Festival noch eine Radio-Session in Atlanta, Georgia absolvierten.

 

Lake steigerten die Superlative 1978 noch. Das zweite Album LAKE II schlug mit ebenso exquisiten Ideen ein wie das LP-Debüt, entstand aber weniger organisch. Conti: „Wir nahmen nun mit Riesenbudget alles auf separaten Spuren auf, und unser Feeling ging so etwas verloren“ – was der Genießer allerdings nicht hört! Auf Festivals in Rotterdam und erneut Nürnberg tauchte die Band neben Bob Dylan auf. Bereits Anfang 1979 erschien die dritte LP PARADISE ISLAND – doch der Studio/Tour-Doppelstress forderte seinen Tribut: Tasten, Bass und Produzent gaben auf! Neues Team, neues Glück: Mit Chicago- und Beach-Boys-Produzent James Guercio entstand 1980 das wiederum perfekt klingende OUCH! Nun war Alex Conti dem Dauerdruck gesundheitlich nicht mehr gewachsen: „Bei OUCH! stand ich wegen Drogen schon neben mir, ich war kein verlässlicher Partner mehr.“ Die Band trennte sich von ihm. Hopkins-Harrison hielt den Lake-Laden dank seiner „auf und hinter der Bühne sprichwörtlichen Energie“ mit wechselnden Line-Ups am Laufen. Die CBS brachte mit ON THE RUN eine Live-Doppel-CD heraus. 1983 und 1984 entstanden mit NO TIME FOR HEROES, VOICES und SO WHAT ansprechende, kommerziell konzipierte Alben für Polydor mit leichtem Funk-Touch. Alex Conti tauchte solo wieder auf, spielte CONTI 1982 für Metronome und CONTINUED 1984 mit vier Ex-„Lakern“ für CBS ein, gründete das Powertrio Rosebud, arbeitete mit Inga Rumpf und stieß zur Hamburg Blues Band. Die Lake-Maschinerie kam 1986 zum Stillstand. James Hopkins-Harrison machte das Ende „seines Babys“ so sehr zu schaffen, dass sich der einstige Motor der Band in Drogen verlor und 1991 starb. 

2002 stellten Detlef Petersen und Alex Conti sich ihrer Lake-Sehnsucht und suchten Musiker für eine Reunion. „Ohne Detlef hätte ich das Ding nicht wieder losgetreten“, so Conti im Jahre 2003. Weiterer Protagonist der ersten Stunde wurde mit Ian Cussick wieder ein Schotte – mit beachtlicher Solokarriere während der 80er. Und mit ihm hatten Lake ja 1973 begonnen. Micky Stickdorn, erfahrener Drummer bei der Rainer Baumann Band, Inga Rumpf, Achim Reichel sowie Rosebud und Elephant, spielte neben Hamburg-Blues-Band-Bass Bexi Becker („Lake waren die Helden meiner Jugend.“). Dazu gesellte sich Keyboarder George Kochbek – der mit Conti etliche Projekte gemacht hatte. Erste Proben und Demo-Aufnahmen liefen vielversprechend, bis eine stressige Session einen alten Dämon heraufbeschwor und der Band zeigte: Cussick war noch immer so exzellent wie exzentrisch. Schnitt: mit großem Bedauern. Mehr als ein Ersatz kam in Person des Schotten No. 3: Mike Starrs. Londonern ist er ebenso bekannt wie Hamburgern – er sang sowohl für Colosseum II wie für Lucifer’s Friend, außerdem kennt man ihn in der lebendigen Country-Szene des Vereinigten Königreichs als Angel Montgomery. Lake touren seit Mai 2002 stetig. Diese Band rekonstruierte mit Liebe zum Detail ihre Klassiker wie „Jesus Came Down“ oder „Red Lake“ auf einer never-ending Clubtour. Im Februar 2004 verließ der mit Film/TV-Musik gut ausgebuchte George Kochbek die neue Lake-Formation. Er wurde durch den bewährten Atlantis-Gefährten Adrian Askew erstrangig ersetzt.

  Bald wurde der Schrei nach einem neuen Album lauter. Die gut geölte Formation reagierte mit BLAST OF SILENCE – laut Micky Stickdorn „in nur zwölf wunderbaren Arbeitstagen komplett eingespielt!“ Lake-Gitarrist Alex hat sein kongeniales Line-Up gefunden, aber für die Tiefensee-Ahrendt-Peacey-Petersen-Fraktion bleibt laut Conti „die Tür offen“. Die Songs des neuen Albums sind jedenfalls so inspiriert wie jene der „classic“ Lake, mit wunderbaren Songs, griffigen Riffs, dröhnender Hammond, Vokal-Power sowohl solo von Mike Starrs als auch im Chor mit Conti-Becker-Stickdorn-Askew, einer präzisen Rhythmusgang mit Reserven und natürlich der unverwechselbaren Gitarre von Alex Conti. „Steely Dan with Balls?“ Mit dem Etikett können die Veteranen leben.

Uli Twelker

DISKOGRAFIE

1976   Lake

CBS / Sony-CD

 

1977   Lake II

CBS

 

1979   Paradise Island

CBS

 

1980   Ouch!

CBS

 

1981   Hot Day

CBS

 

1982   Live/On The Run

CBS

 

1984   No Tiime For Heroes

Polydor

 

1985   Voices

Polydor

 

1986   So What

Polydor

 

1986   In The Midnight

Polydor

 

1990   Best Of Lake

Sony

 

2006   The Blast Of Silence

Mad As Hell/Inakustik

 

nordmarkhalle/jüchser Stand: 23.09.10